Heimatmuseen der Schriftsteller: Literarische Wallfahrten durch Deutschland

Von: Benno Naumann

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Wir sind es gewohnt, dass Museen große Gebäude mit Tausenden von Exponaten, langen Fluren und der unvermeidlichen Museumsmüdigkeit am Ende der Besichtigung sind. Aber es gibt in Deutschland eine ganz besondere Art von Museen, die anders funktionieren. Dies sind die Museen der Schriftsteller – bescheidene, oft in seiner ursprünglichen Form erhaltene Wohnungen oder Herrenhäuser, in denen große Autoren gelebt und geschaffen haben. Es gibt mehr als zweihundert von ihnen in Deutschland, und jeder von ihnen ist nicht nur eine Sammlung von Dingen, sondern eine Reise in eine Welt, in der unsterbliche Zeilen geboren wurden. Hier kann man den Zeitgeist spüren, den Schreibtisch berühren und sogar sehen, wie ein normaler Tag für Goethe, Thomas Mann oder Brecht war.

Beginnen wir natürlich mit dem berühmtesten, dem Goethe—Haus in Weimar. Diese Stadt ist seit Jahrzehnten das Zentrum der deutschen Aufklärung und das Haus am Frauenplan ist ein heiliger Ort für alle, die die deutsche Literatur lieben. Goethe lebte hier fast 50 Jahre, und das Haus ist nahezu unverändert erhalten geblieben: sein Arbeitszimmer, die Bibliothek mit tausend Bänden, die Mineralienkollektion und sogar die von seiner Hand entstandenen Wandzeichnungen. Beim Spaziergang durch diese Räume wird deutlich, dass „Faust“ oder „Die Leiden des jungen Werthers“ nicht nur „geschrieben“ wurden – sie wurden innerhalb dieser Mauern erlitten, erdacht und ausgedehnt. Weimar ist übrigens nicht nur Goethes Heimat: Das Haus Schillers befindet sich buchstäblich zehn Minuten zu Fuß entfernt. Zwei Genies lebten fast in der Nähe, und das allein schafft ein unglaubliches Energiefeld.

Doch nicht nur die Klassiker des 19. Jahrhunderts verdienen Beachtung. In Lübeck beispielsweise steht das imposante Thomas-Mann-Museum – das Buddenbrookhaus. Genau dieses Haus und die Familie Mann dienten als Vorbild für den berühmten Roman „Die Buddenbrooks“. Wenn man hineingeht, scheint es, als würde jeden Moment eine der Figuren aus dem Wohnzimmer treten – so durchdrungen ist die Atmosphäre vom Geist jener Epoche. Hier sind die Innenräume eines Bürgerhauses aus dem 19.

Jahrhundert nachgebildet, und man kann sich vorstellen, wie der junge Thomas Mann am Tisch saß und jene Familiengeschichten aufsaugte, die später die Grundlage für seinen Nobelpreisträger-Roman bildeten. Ein weiterer Punkt auf der literarischen Landkarte ist Bukow, ein kleiner Ort in der Nähe Berlins. Hier befindet sich das Haus von Bertolt Brecht und seiner Frau, der Schauspielerin Hélène Weigel. Im Gegensatz zum steifen Klassizismus Weimars herrscht hier der Geist der Avantgarde und der Einfachheit. Brecht lebte in den Nachkriegsjahren hier, arbeitete an seinen Stücken und empfing Gäste. Das Haus sieht fast spartanisch aus, aber es ist in dieser Bescheidenheit, dass seine Ästhetik das «epische Theater» ohne unnötiges Pathos ist. Heute ist hier ein Museum, in dem man seine Manuskripte, Fotos und persönlichen Gegenstände sehen kann, sowie einen Spaziergang durch den Garten machen kann, in dem er gerne nachdenkte.

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