Auch Bonn kommt nicht hinterher. Das Haus der Geschichte (Haus der Geschichte) hat nach umfassender Rekonstruktion seine neue Dauerausstellung unter dem Motto „Du bist Teil der Geschichte“ eröffnet. Hier, in der ehemaligen Hauptstadt der BRD, wird die Geschichte des Landes nach 1945 nicht durch trockene Daten und politische Erklärungen erzählt, sondern durch persönliche Gegenstände gewöhnlicher Menschen. So wurde beispielsweise im Museum das Kinderzimmer einer gewöhnlichen deutschen Schülerin aus den späten 1990er Jahren nachgezeichnet – mit Postern von Take That und Spice Girls, Kasseten und dem Kultfilm „Titanic“. Ein solcher »nostalgischer” Aufschlag ruft nicht nur ein Lächeln hervor, er lässt jeden Besucher sich an der Geschichte beteiligt fühlen. Der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, Harald Biermann, betonte: Es sei wichtig gewesen, «weltpolitische Themen mit biografischen Ansätzen zu verbinden». Und es funktioniert: Statt eines abstrakten “Kalten Krieges” sehen Sie, wie er sich auf die Schicksale echter Familien auswirkte.
Und in Greifswald, in der Heimat von Caspar David Friedrich, wurde eine völlig neue Galerie für Romantik eröffnet. Hier wird der große romantische Künstler nicht durch gewohnte Reproduktionen gezeigt, sondern mittels multimedialer Installationen, die Sie buchstäblich in seine Welt eintauchen lassen. Am Eingang empfängt Sie ein „emotionales Schleusen“ – eine dunkle Kapelle mit mehrere Meter hohen Bildschirmen, auf denen unter erhabener Musik abstrakte Szenen von Sonnenaufgängen und Nebel über dem Meer vorbeiziehen. Sie gehen über eine Glasplattform, und die Installation reagiert auf Ihre Bewegungen, verändert sich vor Ihren Augen. Dann erwacht ein künstlicher Intelligenz-System zum Leben, das Porträt Friedrichs selbst, und der berühmte, bärtige Künstler scheint mit Ihnen in Dialog zu treten. Es ist nicht mehr nur ein Museum, es ist eine meditative Reise in die Welt der Gefühle, die kaum jemanden gleichgültig lassen wird.
Was bringt all diese Projekte zusammen? Der Wunsch, mit dem Besucher auf Augenhöhe zu sprechen, den mentorischen Ton aufzugeben und ihn in den Erkenntnisprozess einzubeziehen. In Berlin werden Sie selbst Archäologe, in Bonn ein Zeitgenosse der Geschichte, in München ein Gesprächspartner künstlicher Intelligenz und in Greifswald ein Mitautor eines romantischen Erlebnisses. In Deutschland gibt es heute mehr als 6200 Museen, und jeder von ihnen sucht nach seiner eigenen einzigartigen Art zu überraschen und zu beteiligen. Die alten Prinzipien von “Schau, aber berühre nicht” gehören der Vergangenheit an. Stattdessen kommt eine Kultur der Komplizenschaft, in der Geschichte, Wissenschaft und Kunst zu jeder persönlichen Erfahrung werden.
Und das ist eine gute Nachricht für alle, die es satt haben, passiv zu betrachten. Jetzt ist ein Ausflug ins Museum kein Grund, in einer Ecke zu gähnen, sondern eine Gelegenheit, Zeit aktiv, spannend und sogar ein wenig provokativ zu verbringen. Sie können mit AI-ME über die Zukunft des Planeten streiten, über archäologische Funde unter den Füßen staunen oder sich in den Nebeln romantischer Malerei verlieren. Beim nächsten freien Samstag sollte man, statt in ein weiteres Einkaufszentrum zu gehen, in eines dieser Museen schauen. Vielleicht entdecken Sie dort nicht nur eine neue Perspektive auf Geschichte oder Technologie, sondern auch eine neue Art zu fühlen, zu denken und sich zu wundern – jene Art, die Kultur wirklich lebendig macht.
