Aber der Herbst endet nicht damit. Ende September gastiert Hamburg mit seinem berühmten Harbour Front Literaturfestival. Im Jahr 2025 kehrte es nach einer einjährigen Pause zurück und stellte sofort einen Besucherrekord auf. Mehr als 60 Veranstaltungen auf 23 Plätzen – von luxuriösen Sälen bis hin zu Schiffen, Kirchen und Clubs. Hier begegnen Literatur und Meer, Stadt und Musik, und weltweite Stars wie Dan Brown, Isabel Allende, Ian McEwan, Samantha Harvey und Mieko Kawakami besuchen die Veranstaltung. Eines der Hauptereignisse ist Ian McEwan im Elbphilharmonie, wo er seinen neuen Roman „Was wir wissen wollen“ präsentierte – eine Dystopie über eine Welt im Jahr 2119, die von einer nuklearen Katastrophe betroffen ist. Harbour Front ist nicht nur ein Buchfestival, es ist ein großer Kulturmarathon, bei dem das Wort im Herzen einer der dynamischsten Städte des Landes klingt.
Man kann die Hauptbuchmesse des Planeten nicht umgehen – die Frankfurter Buchmesse, die Mitte Oktober im Jahr 2025 stattfand. Aber auch wenn Sie kein professioneller Verleger sind, wird die Messe immer offener für die breite Öffentlichkeit: Im Jahr 2025 ist der Eintritt für alle Interessierten bereits seit Freitag erlaubt. Hier erwarten Sie Treffen mit Nobelpreisträgern wie Maria Ressa und den Gründern von Memorial, Diskussionen in ARD- und ZDF-Bühnen sowie ein riesiges Kinderprogramm mit Astronauten und Lieblingshelden der Bücher. Für Fans von New Adult sind Fantasy und BookTok eine separate Szene mit Autogrammsitzungen und sogar der Verleihung der TikTok Book Awards. Frankfurt verwandelt sich in eine Stadt, in der Bücher alle Sprachen der Welt sprechen und jeder Besucher sich als Teil der globalen Literaturgemeinschaft fühlt.
Weniger groß angelegte, aber daher nicht weniger gefühlvolle Festivals verdienen besondere Aufmerksamkeit. In Potsdam findet zum Beispiel die LIT:Potsdam statt, deren 13. Ausgabe sich mit dem Thema «Zukunft der Vergangenheit» befasste. Und in Dortmund gibt es das Festival «LesArt.”, die Literaturliebhaber in ungewöhnlichen städtischen Räumen zusammenbringt. Für Krimi-Fans gibt es in Weinheim ein Literaturfestival mit einer ganzen Krimi-Buchmesse. Auch München bleibt nicht außen vor: Im November fand dort das Quir-Literaturfestival (QLFM) statt, das sich mit LGBTQ+ Autoren und Themen befasst. Es scheint in Deutschland ein Literaturfestival für jeden Geschmack, jedes Alter und jedes Interesse zu geben — man muss nur suchen können.
Beim deutschen Buchherbst geht es nicht nur um große Namen und hochkarätige Premieren. Es geht auch um die Gemeinschaft. Zehntausende von Menschen — von Jugendlichen bis zu Rentnern – kommen zusammen, um zuzuhören, zu diskutieren, zu streiten und sich inspirieren zu lassen. Dies ist ein lebendiger Hinweis darauf, dass Literatur in der digitalen Ära nicht stirbt, sondern vielmehr neue Formen der Kommunikation entwickelt. Bücher werden zum Anlass für einen Dialog zwischen Generationen, Kulturen und Weltanschauungen. Und wenn Sie längst kein solches Ereignis mehr besucht haben, dann könnte es sich lohnen, für den nächsten September eine Reise zu planen – nach Erlangen, Hamburg oder Frankfurt. Glauben Sie mir, die Atmosphäre dort lohnt es, mindestens ein Buch im Voraus zu lesen.
